38. Kapitel 

Ein Ausflug mit Papa 

 

Es war Mittwoch. Heute würde Carlottas Papa früher nach Hause kommen. Das hatte er versprochen. Carlotta beflügelte der Gedanke, heute Zeit mit ihrem Papa verbringen zu können und sie erledigte flott ihre Aufgaben für die Schule, damit sie auf jeden Fall am Nachmittag Zeit hätte, diesen mit ihrem Papa zu verbringen. 

 

Tatsächlich kam ihr Papa schon zum Mittagessen. „Wir können nach dem Mittagessen eine Radtour machen“, schlug er Carlotta vor. Und Carlotta war Feuer und Flamme. So schnappten sich die beiden nach dem Mittagessen ihre Räder und drehten eine Runde durch ihr Dorf. Und weil ihnen das Radeln an der frischen Luft so gut gefiel, entschieden sie sich noch ein bisschen weiter zu fahren. So kam es dazu, dass sie ihr Weg an einem Feld vorbeiführte, auf dem ein Bauer gerade am Eggen war. Über dem Feld lag eine riesengroße Staubwolke. Papa zeigte auf die Wolke und sagte: „Schau mal wie trocken das Feld schon wieder ist, Carlotta. Die Meteorologen befürchten, dass dies das dritte Dürrejahr in Folge wird. Es ist alles viel zu trocken und es fällt viel zu wenig Regen. Das ist gar nicht gut.“ Carlotta und ihr Papa fuhren weiter und kamen an dem Wäldchen außerhalb ihres Ortes vorbei. Offenbar hatten einige Holzfäller in dem Wald gearbeitet, denn Carlotta sah, dass einige Bäume am Boden lagen. „Papa, wollen wir nicht eine kleine Rast einlegen? Auf den Baumstämmen können wir doch wunderbar sitzen“, schlug Carlotta vor. „Das ist eine gute Idee“, entgegnete Papa. „Lass uns den hier vorne nehmen.“ Die beiden ließen sich auf dem Stamm nieder und holten ihre Trinkflaschen aus dem Rucksack, den Papa vorsorglich mitgenommen hatte. So ließ es sich aushalten. „Du, Papa, wann können wir mal wieder ein Lagerfeuer machen – mit Gitarre und so?“, fragte Carlotta nun. Papa runzelte die Stirn und sah sich die Natur um sich herum an. „Wir sollten momentan kein Feuer machen. Die Natur ist einfach viel zu trocken und da kann sich schon ein kleiner Funke zu einem gefährlichen Feuer ausbreiten.“ „Schade“, bedauerte Carlotta Papas Einwand. Währenddessen war ihr Papa aufgestanden und schaute sich die gefällten Bäume genauer an. „Schau mal Carlotta“, erklärte er dann seiner Tochter. „Wenn du dir den Baum an der Stelle anschaust, an der er abgesägt wurde, kannst du erkennen, wie alt er geworden ist.“ Carlotta stand auf und schaute sich die Ringe an, die man an der Stelle erkennen konnte. „Zähle mal die Ringe!“, forderte Papa Carlotta auf. Sie zählte 21 Ringe. „Das sind die Jahresringe. Daran kannst du das Alter eines Baumes ablesen“, wusste Papa. Dann deutete er auf einen sehr schmalen Ring. „Guck mal, dies muss ein sehr trockenes Jahr gewesen sein. Das erkennst du daran, dass der Ring sehr schmal ist. Und dieser Ring, der so breit ist, sagt uns, dass das Jahr einen warmen und feuchten Sommer hatte. So kannst du erkennen, wie das Wetter in den vergangenen Jahren war.“ Carlotta staunte. Toll, was man alles an dem Baumstamm ablesen konnte. 

 

Aber da fiel ihr ein, dass sie ihren Papa ja noch befragen wollte, wie jetzt alles wegen Corona weitergehen würde in der nächsten Zeit. „Papa, weißt du, wie lange das noch alles so weitergeht mit Corona?“, fragte sie deshalb jetzt ihren Vater. 

 

Papa setzte sich wieder auf den Baumstamm und runzelte die Stirn: „Ich vermute, dass es so lange dauert, bis sie einen geeigneten Impfstoff gefunden haben“, erklärte er. „Wann wird das denn sein?“, fragte Carlotta hoffnungsvoll. „Sie sind gerade damit angefangen einen Stoff an gesunden freiwilligen Menschen zu testen. Aber so eine Testphase dauert lange. Wir können uns freuen, wenn sie diese Phase Anfang 2021 soweit abgeschlossen haben, dass sie den Impfstoff einsetzen können.“ „Das ist lang“, stellte Carlotta ernüchtert fest. „Die Alternative wäre eine Herdenimmunität“, ergänzte Papa und er fügte hinzu: „Aber das ist keine echte Alternative.“ „Was ist denn das – Herdenimmunität?“, fragte Carlotta verständnislos. Sie kannte nur die Pferdeherde auf der Wiese, aber mit Pferden schien das ja wohl nichts zu tun zu haben. Papa erklärte geduldig: „Herdenimmunität meint, dass die ganze Gruppe, in diesem Fall die Menschen immun gegen ein Virus sind. Aber dafür müssten mindestens 60 bis 70 Prozent der Menschen das Virus gehabt haben. Die Gefahr, dass dann zu viele daran sterben ist zu groß“, überlegte Papa. „Aber es wäre gut, wenn wir bald umfangreicher überprüfen könnten, wie viele Menschen das Virus in Wirklichkeit schon gehabt haben. Man vermutet inzwischen, dass das schon viel mehr Menschen gehabt haben könnten, als man weiß. Wenn das so wäre und wir doch schon näher an einer Herdenimmunität dran sind als wir glauben, dann könnten wir ja vielleicht schneller zur Normalität zurückkehren...Aber da gibt es noch viel ‚Wenn und Aber‘...“ stellte Papa fest. „Wir müssen den Wissenschaftlern und Virologen wohl noch ein bisschen Zeit lassen, auch wenn es uns allen schwer fällt.“ Papa stieß Carlotta aufmunternd an und legte den Arm um sie. „Irgendwann, Carlotta, wird die Normalität zurückkehren. Irgendwann geht ihr wieder ganz normal zur Schule und irgendwann könnt ihr euch auch wieder ohne Angst vor Corona mit euren Klassenkameraden verabreden.“ „Und wann ist ‚irgendwann‘?“, fragte Carlotta ungeduldig. „‚Irgendwann‘ ist vielleicht in 8 bis 10 Monaten. Diesen Sommer und Herbst müssen wir wohl noch durchhalten, aber danach wird das bestimmt was werden“, tröstete Papa Carlotta. „Komm, lass uns jetzt mal langsam nach Hause fahren, sonst denkt Mama noch wir wären verschollen“, forderte Papa Carlotta nun auf und stupste sie gegen die Schulter. „Und lass uns vom Bäcker ein paar Stücke Kuchen mitnehmen, dann können wir zusammen Kaffeetrinken.“ „Das ist eine gute Idee“, stimmte Carlotta ihrem Papa fröhlich zu. „Mama wird sich freuen.“ 

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee:

Wenn du die Möglichkeit hast, suche doch mal einen gefällten Baum in deiner Nähe und schaue dir die Jahresringe genau an. Kannst du erkennen, wie alt der Baum geworden ist und ob er besonders trockene oder besonders feuchte Jahre miterlebt hat? 

 

Male ein Bild von Carlotta und ihrem Vater, wie sie zusammen eine Radtour machen oder wie sie auf dem Baumstamm sitzen, um eine Rast einzulegen. Schicke mir dein Bild.