35. Kapitel 

Fred hat Geburtstag 

 

Tagelang hatte sich Fred auf diesen Tag gefreut. Dies war sein Tag. Sein 9.Geburtstag. Dennoch waren seine Erwartungen an diesen Tag nicht ganz so freudig wie in den vergangenen Jahren. „Geburtstag in Corona-Zeiten. Was das wohl werden sollte?“, dachte er als er an diesem Morgen die Augen aufschlug. „Mit meinen Freunden kann ich mich ja nicht verabreden. Aber bestimmt würde sich Papa irgendetwas für ihn ausdenken. Auf Papa konnte man sich eigentlich immer verlassen.“ Neugierig sprang Fred aus dem Bett und lief noch im Schlafanzug in die Küche, wo sein Papa tatsächlich schon den Geburtstagstisch gedeckt hatte. Ein Geburtstagskuchen mit 9 Kerzen stand auf dem Tisch. Daneben lag ein dickes Paket und neben dem Paket lag noch ein Umschlag. Fred war gespannt. „Herzlichen Glückwunsch, mein Großer!“, sagte Papa nun und nahm Fred in die Arme. „Und schon wieder bist du ein Jahr älter – 9 Jahre. Unglaublich wie die Zeit vergeht.“ Fred lächelte stolz. „Darf ich mein Geschenk schon auspacken?“, fragte Fred, weil er die Spannung, was da wohl drin sein könnte, kaum aushalten konnte. „Erst musst du die Kerzen auspusten!“, forderte Papa ihn auf. Fred pustete so kräftig er konnte. Er schaffte es mit einem Mal Luft holen. „Den Kuchen hat Oma Frieda für dich gebacken und sie hat sich auch an den Geschenken beteiligt“, erklärte Papa nun. „Also dann, leg mal los!“, forderte Papa ihn nun auf. Das ließ sich Fred nicht zweimal sagen. Sofort riss er das große Päckchen auf. Darin befanden sich nagelneue Inliner und die passenden Knie- und Ellenbogenschoner. Fred jubelte: „Die habe ich mir so gewünscht. Danke, Papa! Kann ich sie gleich ausprobieren?“ „Na klar, aber lass uns erst einmal frühstücken und bei Oma Frieda solltest du dich auch nachher bedanken“, antwortete Papa. Im Stillen freute er sich sehr, dass die Überraschung so gelungen war. Papa schaute Fred auffordernd an. Ach ja, da lag ja noch der Umschlag, den hätte er beinahe übersehen. Fred benutzte sein Messer als Brieföffner. Was da wohl drin war? Er zog die Karte heraus und las: „Nächste Woche fahren wir beiden ins Auto-Kino und schauen uns den Film ‚König der Löwen‘ an.“ Fred traute seinen Augen nicht. Er liebte Kinobesuche. Endlich mal wieder ins Kino zu gehen, war einer seiner großen Träume gewesen. 

Konnte Papa etwa Gedanken lesen? „Juchu!“, jauchzte er vor Freude und sprang Papa um den Hals. 

Nach dem Frühstück rief Fred Oma Frieda an. Diese freute sich mit Fred und bat ihn doch später einmal vor ihrer Haustür vorbei zu fahren, damit sie ihn mit seinen neuen Inlinern sehen konnte. Fred versprach das auf jeden Fall zu tun. 

 

Als er endlich startklar war, um mit den neuen Inlinern loszuziehen, klingelte das Telefon. „Geh du mal dran“, sagte Papa, „das ist bestimmt für dich.“ Fred nahm das Gespräch entgegen und auf der anderen Seite hörte er Karl und dessen Mama singen: „Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n...“ Das Lied, was die Kinder auch immer in der Schule sangen, wenn sie dort einem Geburtstagskind gratulierten...Fred lauschte und sein Herz klopfte. Am schönsten fand er die Stelle im Refrain: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst...“ Als die beiden ihr Ständchen beendet hatten, bedankte sich Fred. „Danke! Ich würde heute so gerne mit dir und den anderen aus unserer Klasse feiern. Aber wir dürfen uns ja nicht treffen“, bedauerte Fred. Papa schaltete sich aus dem Hintergrund ein: „Wir werden dafür im nächsten Jahr deinen 10.Geburtstag umso größer feiern!“ „Hast du das gehört, Karl? Im nächsten Jahr machen wir eine große Party.“ „Oh, ja“, freute sich Karl. Dann wünschte er Fred noch einen schönen Tag. 

 

Glücklich darüber, dass sein Freund an ihn gedacht hatte, schnappte sich Fred nun seine Inliner, die Schoner und den Fahrradhelm und lief nach unten. Papa begleitete ihn, um ihn bei seinen ersten Versuchen zu unterstützen. Aber Fred, der gewohnt war, sich draußen zu bewegen und der auch schon Schlittschuh laufen konnte, hatte es nach ein paar unsicheren ersten Schritten sehr schnell raus. Trotzdem mahnte Papa: „Du musst erst einmal lernen, wie man mit den Dingern bremst und wieder anfährt, bevor du einfach mit Tempo drauflos fährst“. Und so stellte Papa die Mülltonne als Zeichen an den Straßenrand und sein Fahrrad in einiger Entfernung und Fred übte nun zwischen diesen Begrenzungen das Anfahren und Stoppen. Oma Frieda schaute ihm dabei vom Fenster aus zu und lächelte. 

 

Fred war noch total in seine ersten Fahrübungen vertieft, als Carlotta aus dem Nachbarhaus kam. „Hey Fred“, rief sie ihm zu. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“ Fred war ganz erstaunt, dass Carlotta an seinen Geburtstag dachte. Er sah, dass sie zu seiner Haustür lief und einen Umschlag auf die Stufen vor der Tür ablegte. „Ich habe dir eine kleine Überraschung vor die Tür gelegt für später. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag!“, rief Carlotta ihm von Weitem zu und winkte. „Danke!“, rief Fred zurück. Viel lieber hätte er sich jetzt noch ein bisschen mit Carlotta unterhalten. Aber die schien sehr vorsichtig zu sein und bewusst auf Abstand zu bleiben. „Wann ist nur diese Zeit endlich vorbei? Und wann kann ich endlich wieder mit Carlotta gemeinsam zur Schule gehen?“, dachte Fred bei sich. Neugierig, was Carlotta ihm da wohl auf die Stufen gelegt hatte, fuhr er zur Haustür. Papa reichte ihm den Brief. Damit er sein Gleichgewicht nicht verlor, setzte sich Fred auf die Stufen und öffnete den Brief, den Carlotta für ihn geschrieben hatte. Er las: 

 

Lieber Fred, 

ich schreibe dir, weil ich dir zu deinem Geburtstag gratulieren möchte. 

Sicher würdest du heute gerne einen richtigen Kindergeburtstag mit uns allen feiern, so wie im letzten Jahr. Damit dieser Tag nicht ganz so traurig wird, habe ich eine Schnitzeljagd für dich vorbereitet. Du musst zuerst zum Gartentor von Oma Frieda gehen. Dort findest du den nächsten Hinweis. Wenn du allen Hinweisen folgst, findest du zum Schluss einen Schatz. 

Ich wünsche dir viel Spaß und freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem wir endlich wieder zusammen zur Schule gehen können. 

Liebe Grüße 

Carlotta 

 

Fred schluckte. Das hatte Carlotta für ihn gemacht, für ihn ganz allein. Sie mochte ihn, das wusste er jetzt noch viel mehr als vorher. Sie hatte an seinen Geburtstag gedacht und sie hatte sich eine Schnitzeljagd für ihn ausgedacht. Wann sie die Zettel wohl versteckt hatte? Sie musste heute Morgen schon ganz schön früh aufgestanden sein, um ihn so zu überraschen. Er würde sie später auf jeden Fall nochmal anrufen und sich bei ihr bedanken. 

 

© Margarete Reinberger

 

Idee:

Male ein Bild von Fred als Geburtstagskind am Kaffeetisch, beim Auspacken der Geschenke, auf Inlinern oder bei der Schnitzeljagd. 

 

Vermute, wo Carlotta den Schatz wohl versteckt hat und was der Schatz ist? Schreibe mir deine Idee. 

 

Du kannst aber auch einfach einmal selbst eine Schnitzeljagd mit deiner Familie machen. Dafür muss sich einer einen Weg ausdenken. Jeder Zettel führt zum nächsten Hinweis, bis man zuletzt den Schatz findet. Viel Spaß dabei! 

 

Quellenhinweis: Das Lied ‚Wie schön, dass du geboren bist‘ stammt von Rolf Zuckowski.