28. Kapitel 

Maskenschneiderin 

 

Carlotta lag mit einem Buch auf ihrem Bett, aber ihre Gedanken schweiften ab und sie konnte sich nicht auf den Inhalt des Buches konzentrieren. Die Osterferien wären an diesem Wochenende vorbei und sie hatte sich so darauf gefreut, ihre Klassenkameraden nun endlich wiederzusehen. Aber es sollte anders kommen. 

 

Im Stillen hatte sie sich schon gefragt, wie das alles gehen sollte. Sie wusste, dass die Zurückhaltung der Menschen dazu geführt hatte, dass sich die Krankheit längst nicht mehr so schnell ausbreitete als in den ersten Wochen ihres Auftretens. Immer wieder zeigten sie in den Nachrichten eine Kurve und nannten Zahlen, die deutlich machen sollten, dass sich die gemeinsamen Anstrengungen lohnten. Inzwischen steckte ein Kranker nur noch einen Menschen an. Und das war gut so. Denn wenn einer mehr als einen ansteckte, würden die Krankenhäuser nicht mehr genügend Platz für alle Kranken haben und das musste auf jeden Fall verhindert werden. Das hatte Carlotta verstanden. Darum verzichteten sie ja alle auf Familienfeiern, Partys und Umarmungen. 

 

Vorgestern hatten die Politiker nun verkündet, dass man den Weg zurück zur Normalität nur mit äußerster Vorsicht nehmen dürfe, um nicht die positive Entwicklung mit einem Schlag zunichte zu machen. 

 

Carlotta seufzte. Das war echt eine Geduldsprobe. Nur einen ganz kleinen Schritt in Richtung Normalität würde es ab der kommenden Woche geben. Die ersten Geschäfte dürften wieder öffnen. Von Mama wusste sie, dass das auch sehr nötig sei, weil viele Geschäftsinhaber die Mieten und Gehälter der Angestellten weiterzahlen mussten, aber nun schon seit einigen Wochen keine Einnahmen mehr hatten. Das konnten sie nicht noch viel länger überstehen. Da wären bald sämtliche Ersparnisse aufgebraucht und mancher würde sein Geschäft ganz aufgeben müssen. Man merkte auch einigen Erwachsenen deutlich an, dass sie sehr bedrückt waren. Carlotta hatte in den letzten Tagen mitbekommen, wie ihre Mutter mit einer Freundin telefoniert hatte, die eine kleine Boutique besaß, in der sie Modeschmuck und ausgefallene Kleidung für Erwachsene anbot. Sie hatte gehört, wie Mama tröstende Worte gesprochen hatte, dass sicher alles bald weitergehen würde und dass selbst die Politiker einsehen müssten, dass die Geschäfte nicht noch länger geschlossen bleiben dürften. Mama hatte Recht behalten. Kleine Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmeter durften nun wieder öffnen. Die großen Läden sollten weiter geschlossen bleiben, weil man befürchtete, dass hier die Menschenansammlungen sonst zu groß würden. Carlotta war gespannt, was die Ladenbesitzer der großen Geschäfte dazu wohl sagen würden. Bestimmt fanden die das nicht so toll. 

 

Und die Schule...Ja, die Schule sollte nun erst Anfang Mai wieder geöffnet werden und dann auch erst einmal nur für die Viertklässler, wie die Experten aus Halle es empfohlen hatten. 

 

Langsam fragte sich Carlotta, ob die Schule für sie in diesem Schuljahr überhaupt wieder losgehen würde oder ob das ‚Homeschooling‘ – wie man den ‚Schulunterricht zuhause‘ auf Englisch nannte – nun immer so weitergehen würde. 

 

Carlotta dachte nach: „Was würde sie mit der vielen Zeit anfangen, die sie jetzt weiterhin haben würde? Sie könnte basteln, viel basteln, sie könnte ihre Flöte mal wieder herauskramen und wieder öfter musizieren. Das hatte sie schon lange nicht mehr getan. Oder sie könnte sich von Mama zeigen lassen, wie man mit der Nähmaschine umgeht und dann würde sie für alle Menschen, die sie kannte, einen Mundschutz nähen. Oh ja, das würde sie machen!“ 

 

Carlotta hatte mitbekommen, dass die Menschen jetzt beim Einkaufen nach Möglichkeit alle einen Mundschutz tragen sollten. Noch wurde das nicht als Pflicht angeordnet, aber es wurde von den Politikern sehr empfohlen. Carlotta hing ihren Gedanken nach: „Wenn ich ganz viele Masken nähe, dann kann ich auch helfen, dieses Virus zu bekämpfen. Ich werde Mama fragen, ob sie mir zeigen kann, wie das geht. Und mit Mamas Nähmaschine werde ich dann Masken nähen. Erst für Mama, dann für Christian, für Jasmin und für mich und dann schauen wir mal weiter...“ 

Und so machte sie es. 

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee: Nicht jeder und jede hat eine Nähmaschine zuhause und nicht jeder/jede kann nähen. Aber vielleicht gibt es ja Erwachsene und Kinder in unserem Ort, die das können. Es werden in der nächsten Zeit zunehmend Masken benötigt und da kann es nur gut sein, seine eigene Familie schon einmal damit auszustatten (falls das nicht schon längst geschehen ist). Wichtig ist, dass man am besten einen kochbaren Baumwollstoff wählt. Im Internet gibt es verschiedene Schnittmuster für Masken. Ein Gummiband von 5 mm Stärke ist gut geeignet als Halter für die Ohren. Wichtig: Es ist gut auch einige Masken zum Wechseln zu haben, denn wenn eine Maske vom Atmen feucht ist, sollte man sie austauschen. Tägliches Auskochen wäre gut. 

 

Auch zu diesem Kapitel kannst du mir ganz einfach wieder ein Bild malen. Entwerfe doch mal eine super modische Maske, wie du sie toll fändest. Dafür zeichnest du eine große Kopfform auf ein Blatt und dann lässt du dir etwas einfallen. Welche Farbe und welche Muster wird deine Maske haben? Ich bin gespannt.