26. Kapitel 

Schwierige Fragen 

 

Fred saß wie jeden Morgen mit seinem Papa am Frühstückstisch. Nach dem Frühstück liebte Papa es, in aller Ruhe durch die Zeitung zu blättern. Fred schielte mit auf die Überschriften und sein Blick blieb an einer fett gedruckten hängen: ‚Corona-Virus: Rückkehr zur Normalität‘. 

 

„Papa, meinst du, dass am Montag die Schulen wieder aufmachen?“, fragte er nun seinen Papa. Papa zuckte mit den Schultern ohne von der Zeitung aufzusehen: „Ich weiß nicht. Aber warte mal, hier steht etwas. Experten aus Halle haben einen Vorschlag gemacht: Sie schlagen vor, dass die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Sie empfehlen, mit den Kindern zu beginnen, die bald einen Schulwechsel haben, also den Viertklässlern. Vielleicht fängt dann für dich die Schule doch noch nicht wieder an“, vermutete Papa. „Es sollen nicht mehr als 15 Kinder in einem Klassenraum unterrichtet werden. Die Abstands- und Hygieneregeln müssten unbedingt weiter eingehalten werden“, ergänzte er. 

 

„Wie wollen die das denn schaffen?“, fragte Fred. „In der Pause spielen doch alle zusammen auf dem Schulhof.“ „Warte mal“, sagte Papa. „Hier steht, dass sie empfehlen zeitversetzt zu unterrichten, damit eben nicht zu viele Kinder gleichzeitig in der Schule sind. Und hier steht noch, dass sie zunächst einmal vor allem die Hauptfächer Deutsch und Mathe unterrichten sollten.“ „Aha“, dachte Fred laut nach. „Heißt das dann, dass die Viertklässler nur für zwei oder drei Stunden täglich zur Schule gehen und dann schon wieder nach Hause dürfen?“ „Das könnte so sein“, antwortete Papa. „Vielleicht geht ja auch die Arbeit in meiner Firma nun wieder los. Hier steht, dass die Experten empfehlen den Einzelhandel unter Beachtung von Schutzmaßnahmen langsam wieder zu öffnen. Da wird es bei uns vielleicht auch bald weitergehen.“ Im Stillen dachte Papa: „Na, das kann ja was werden. Wie soll ich denn dann Fred versorgen und gleichzeitig wieder arbeiten gehen? Zu Oma Frieda kann er ja nach wie vor nicht gehen.“ Aber er sprach nicht aus, was ihm so durch den Kopf ging. 

 

„Nun müssen wir aber sowieso erst einmal auf die Entscheidungen der Ministerien warten. Es kann auch sein, dass die nochmal ganz anders entscheiden. Dies ist erst einmal nur der Rat der Experten. Heute berät unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel über mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen mit den Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer. Es kann ja auch sein, dass Niedersachsen dann ganz anders damit umgehen wird als Nordrhein-Westfalen oder Bayern. Das Virus ist in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich stark verbreitet.“ Fred erinnerte sich, dass er dazu eine Deutschlandkarte gesehen hatte und die Landesteile, in denen es mehr Corona-Kranke gab, waren dort rot markiert gewesen. Nordrhein-Westfalen und Bayern gehörten dazu. 

 

„Aber, Papa, wie soll das denn überhaupt weitergehen?“, fragte Fred. „Die haben doch gesagt, dass sie einen Impfstoff frühestens Ende des Jahres entwickelt haben. Was ist denn, wenn die jetzt alles wieder öffnen und ganz viele Menschen doch noch krank werden?“ Papa sah seinen Sohn nachdenklich an. „Genau das ist ja die große Sorge“, entgegnete er. „Sie wollen zurück zur Normalität, wissen aber, dass das nicht so einfach geht. Deshalb müssen alle Menschen sehr verantwortungsvoll damit umgehen und selbst darauf achten, Regeln einzuhalten, um sich und andere zu schützen.“ Fred dachte darüber nach, wie schwer es einigen Kindern schon fiel so einfache Regeln wie „sich melden, bevor man etwas sagt“ oder „den anderen ausreden lassen“ einzuhalten. Es fiel ihm schwer, daran zu glauben, dass alle Kinder es schaffen würden, sich an die Abstandsregeln zu halten und sich öfter als sonst die Hände zu waschen. Aber vielleicht hatte sich ja über diese fünf Wochen die Einstellung der Menschen geändert. Vielleicht hatten nun alle verstanden, dass zur eigenen Sicherheit und zur Sicherheit der eigenen Familie Vorsicht geboten war. Man würde es sehen. Er selbst würde sich Mühe geben. Er wollte nicht, dass sein Papa oder er krank würden. 

 

„Du Papa, was ist denn, wenn dann in einer Schule das Corona-Virus trotzdem ausbricht?“, fragte Fred weiter. Papa zuckte mit den Schultern: „Vielleicht schließen sie die Schule dann wieder“, murmelte er. „Aber weißt du was. Vielleicht sollten wir einfach erst einmal abwarten, was die Politiker heute oder morgen entscheiden werden. Das ist momentan keine leichte Zeit und ich möchte echt nicht mit denen tauschen.“ 

 

Fred nickte: „Na, dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig als abzuwarten.“ „So ist es“, murmelte Papa und faltete die Zeitung zusammen. „Komm, lass uns eine Runde an die frische Luft gehen und die Frühlingssonne genießen.“ Und so machten sie es.

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee:

Schau dir doch einmal eine Deutschlandkarte an. Findest du alle Bundesländer? Wo liegen Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen/Bayern? 

 

Male ein Bild von Fred und seinem Papa am Frühstückstisch