20. Kapitel 

Wie in der Arche 

 

Als Fred und Papa an diesem schönen Tag mit ihren Fahrrädern durch den Ort fuhren, fielen Fred die vielen Regenbogenbilder in den Fenstern der Häuser auf. „Schau mal Papa, da...und da...und da hinten ist wieder eins. Sollen wir mal zählen, wie oft wir das Bild in unserem Ort finden?“ „Ja, wir können ja mal schauen, wie viele wir auf unserer Strecke sehen. Aber ich fahre nicht mit dir alle Straßen ab“, meinte Papa augenzwinkernd. Fred war einverstanden. Er begann zu zählen: „1,2,3,....!“ Er zählte 23 Häuser und ihr Ort war bei weitem noch größer. „Die Bilder haben doch bestimmt die Kinder gemalt“, dachte Fred laut nach. „Da kann ich ja an den Bildern erkennen, in welchem Haus ein Kind zuhause ist.“ Papa nickte stumm. „Papa, warum hängen die Bilder in den Fenstern?“, wollte Fred nun wissen. Papa wusste es, denn er hatte die Malvorlage für dieses Bild auch erhalten. Er hatte seinem Sohn jedoch nichts davon erzählt, weil er ja keine Möglichkeit hatte, die Vorlage auszudrucken und er wollte Fred nicht unnötig enttäuschen. Aber nun blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als Fred die Sache zu erklären: „Dieses Regenbogenbild hat uns von Italien aus erreicht. Die Kinder in Italien haben diesen Bogen gemalt, um damit zu zeigen, dass es wichtig ist, dass die Menschen im Moment zuhause bleiben, um sich vor dem Virus zu schützen. Außerdem ist der Regenbogen ein ganz altes Symbol für die Verbundenheit zwischen Gott und den Menschen und für Zusammenhalt.“ 

 

Fred fiel ein, dass Frau Samira ihnen in der Schule mal eine Geschichte mit einem Regenbogen vorgelesen hatte. Es war im Religionsunterricht gewesen. Die Geschichte mit der großen Sintflut. „Papa, kennst du die Geschichte mit der Sintflut und dem Regenbogen?“, fragte Fred. „Du meinst: Die Arche Noah“, entgegnete Papa. Fred erinnerte sich: „Ja, genau. Die Geschichte, wo Gott den frommen Mann Noah, seine Frau und von jedem Tier ein Paar in dem großen Boot, das sie Arche nannten, vor dem vielen Wasser beschützt hat. Und später als sie nach der schrecklichen Flut endlich wieder an Land kamen, leuchtete da auch ein Regenbogen am Himmel und Gott hat ihnen gesagt, dass der Regenbogen ein Hoffnungszeichen sein soll für die Menschen. Er sei ein Zeichen des Bundes zwischen ihm und den Menschen. Nie mehr sollte eine solche Sintflut kommen.“ Fred erinnerte sich, dass ihm diese Stelle in der Geschichte besonders gut gefallen hatte. Er dachte nach: „Nun, eine Flut aus Wasser war das nicht, was derzeit die Welt bedeckte. Es war dieses kleine unsichtbare Virus, das sich wie die Sintflut in der ganzen Welt ausgebreitet hatte.“ Ein bisschen kam es Fred so vor, als säßen die Menschen in ihren Häusern zurzeit so fest wie Noah und seine Frau in der Arche. Auch die mussten bestimmt ganz schön viel Geduld haben und sie wurden auf den tosenden Wassermassen sicher ziemlich hin- und hergeschaukelt. Da war ihm sein festes Zuhause schon lieber. Aber am Ende war in dieser Geschichte alles gut geworden. Das Unvorstellbare war passiert, das Land war aus den Wassermassen wieder aufgetaucht, eine Taube hatte einen Ast gebracht und Noah wusste: „Jetzt ist die Zeit in der Arche vorbei. Jetzt dürfen wir wieder raus. Und wir dürfen das Leben ganz neu, vielleicht mit mehr Dankbarkeit im Herzen genießen. Denn Gott hatte sie bewahrt.“ 

 

Im tiefsten Inneren wusste Fred, dass auch diese Zeit der Bedrohung durch das Virus vorübergehen würde. Und er freute sich schon jetzt auf das Gefühl von Freiheit, was er haben würde, wenn er dann wieder völlig unbeschwert seine Freunde treffen, durch die Gegend streunen und auf dem Spielplatz mit den anderen Fußball spielen konnte. In ihm wuchs die Gewissheit: „Alles wird irgendwann wieder gut.“ Und er erklärte seinem Papa: „Du, Papa, ich glaube ich werde nachher zuhause auch einen Regenbogen malen und ihn in mein Fenster hängen. Das kann ich auch ohne die Vorlage. Dann sehen alle, dass auch in unserem Haus ein Kind wohnt, das wie die anderen darauf hofft und fest daran glaubt, dass bald alles wieder gut wird.“ Papa lächelte. 

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee:

Mache das Regenbogen-Experiment. Dies kannst du allerdings nur machen, wenn heute die Sonne scheint. 

 

Du brauchst: 

- ein Glas mit Wasser - Sonnenschein - ein weißes Blatt 

So wird es gemacht: Stelle das Glas mit Wasser auf die Fensterbank, so dass die Sonne darauf scheinen kann. Schaue dich im Zimmer um. Du müsstest irgendwo, vermutlich auf dem Fußboden, einen Regenbogen entdecken können. Wenn du an die Stelle, an der du den Regenbogen siehst, ein weißes Blatt legst, erkennst du den Bogen noch besser, weil die Farben auf einem weißen Untergrund noch mehr leuchten. 

 

Warum das so ist: Wir sehen das Licht der Sonne normalerweise als weißes Licht. In Wirklichkeit besteht es aber aus den Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Wenn das Licht auf Wasser trifft, spielen die Farben Ping Pong... Jede Farbe ändert ihre Richtung ein wenig und so können wir für einen kurzen Moment die ganze Farbenpracht sehen. 

 

Du kannst auch, falls du das nicht schon längst gemacht hast, ein Regenbogenbild malen. Wenn du Wasserfarben zuhause hast, kannst du aus den Farben Rot, Gelb und Blau alle Farben des Regenbogens mischen. Versuchs doch mal. Oder male einfach ein Bild zu diesem Kapitel.