19. Kapitel 

Ein richtig schöner Ferientag 

 

In diesen Tagen, an denen die Menschen sich nicht wie gewohnt treffen konnten, wurden Emails und WhatsApps ohne Ende durch die Welt geschickt. Auch die Postboten hatten auf einmal wieder viel mehr zu tun als sonst und kamen mit der Postzustellung kaum noch hinterher. Da waren die einen, die sich die Langeweile mit Online-Einkäufen vertrieben, oder andere, die ihre ganz persönliche Botschaft aus ihrem Wohnzimmer posteten. In solchen Zeiten zeigte sich wirklich die Fantasie und Kreativität der Menschen. Sport konnte man vor dem Fernseher machen, Gottesdienste auf dem Sofa miterleben und bei Mitmachkonzerten vor dem Fernseher tanzen. Wie gut, dass die Menschen so viele Ideen hatten und man die Dinge nur aufgreifen musste, wenn man wollte. 

 

Carlotta hatte an diesem Morgen länger geschlafen als gewöhnlich, denn es waren ja endlich Ferien. Jetzt konnte auch sie sich mal etwas ausruhen und mehr herumbummeln als gewöhnlich. In der Regel ließen sie die kleinen Geschwister sowieso nicht ausschlafen, aber heute war das anders gewesen. Carlotta rekelte sich wohlig unter der Decke. Was würde sie mit dem vor ihr liegenden Tag anfangen? Sie stand auf, wusch sich und putzte sich die Zähne. Dann schlurfte sie ganz im Ferienmodus ohne Eile in die Küche, wo Mama mit Jasmin und Christian noch am Frühstückstisch saßen. „Hallo, Carlotta“, begrüßte sie ihre Große. „Hast du gut geschlafen?“ Carlotta nickte ausgeschlafen. „Und, was wirst du mit dem vor dir liegenden Tag machen?“, fragte Mama nun. „Och, ich weiß noch nicht“, meinte Carlotta. Dabei fiel ihr Blick auf die Kiste mit den alten Schachteln, Kartons und Küchenrollen, die in der Küchenecke stand. „Mama, darf ich davon was zum Basteln haben?“, fragte sie nun. „Na, klar“, antwortete Mama, „dafür habe ich die Sachen doch aufgehoben.“ 

 

So kam es, dass Carlotta nach dem Frühstück anfing zu basteln: Sie nahm drei lange Pappröhren und schnitt sie mittig auf. Dann wählte sie ein paar weitere Rollen. Das sollten Türme werden. Mama hatte auch farbiges Papier. Damit beklebte sie die Türme. Die Türme bekamen Dächer. Dafür malte Carlotta mit einer runden Untertasse einen Kreis auf ein Papier. Diesen schnitt sie anschließend aus. Nachdem sie mit ihren Buntstiften ganz viele Dachpfannen auf diesen Kreis gemalt hatte, schnitt sie ihn vom Rand bis zur Mitte ein und klebte ihn so zusammen, dass sie ein spitzes Dach erhielt. Das Ganze machte sie dreimal so. Die Dächer legte sie für später zur Seite. Sie würden zuletzt auf jeden Turm gesetzt. 

 

Schließlich schnitt sie Fenster in die Türme. Mama half ihr ein wenig dabei, weil sie dafür ein Cuttermesser nehmen musste. Nun setzte sie in die Fenster die aufgeschnittenen Pappröhren, so dass eine Murmelbahn entstand. Christian und Jasmin hatten sich fasziniert angeschaut, was ihre große Schwester da machte. Jetzt lief Christian in sein Zimmer, um einen Beutel mit Murmeln zu holen, den er dort in seiner Nachttischschublade aufbewahrte. Den holte er nun eilig hervor, um auszuprobieren, ob Carlottas Murmelbahn wirklich funktionierte. Mama ermahnte: „Ihr müsst aber aufpassen, dass Jasmin keine Murmel in den Mund steckt. Damit dürfen so kleine Kinder noch nicht spielen.“ Carlotta und Christian versprachen es. 

 

Die kleine Schwester hätte natürlich am liebsten gerne mitgespielt. Damit Jasmin nicht so traurig war, baute ihr Carlotta aus einer Toilettenrolle einen Osterhasen. Überglücklich lief Jasmin damit dann den ganzen restlichen Tag herum und spielte mit ihm als sei er eine ihrer vielen Puppen. Als Mama später eine Tüte mit Erbsen hervorholte, um diese für das Mittagessen vorquellen zu lassen, fragte Carlotta, ob sie ein paar Erbsen für ihre Murmelbahn haben dürfte...Und tatsächlich kullerten auch die Erbsen ganz gut durch die Bahn. Das war ein Spaß, mit dem sie sich an diesem Tag noch lange begeistert beschäftigten. 

 

Am Nachmittag beschlossen sie dann, anlässlich des Ferienbeginns im Wohnzimmer eine Minidisco zu veranstalten. Mama schob den Sessel ein bisschen zur Seite. Sie hingen eine Lichterkette auf und machten Musik an. Dann tanzten sie bis sie müde waren und ins Bett mussten. 

 

„Das war ein richtig schöner Ferientag“, dachte Carlotta noch, bevor ihr vor Müdigkeit die Augen an diesem Abend zufielen. 

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee: 

Schau dir mal die Abbildung unten an. Versuche doch auch mal eine solche Murmelbahn zu bauen. 

 

Mit Pappröhren und Toilettenrollen kann man allerdings auch ganz viel anderes bauen. Wenn du einer stehenden Toilettenrolle z.B. lange Hasenohren anklebst, kannst du aus ihr schnell einen Osterhasen basteln. Du musst sie dann nur anmalen oder mit farbigem Papier bekleben. Vergiss das weiße Puschelschwänzchen nicht! Das kannst du auch aus Watte aufkleben. 

 

Auch ein Rennauto kann man mit Leichtigkeit mit 4 Flaschendeckeln als Räder herstellen. Wenn du dann oben in die liegende Röhre ein Fenster reinschneidest, kann sogar eine Playmobil- oder Legofigur in deinem Papprennauto spazieren fahren. 

 

Ich bin gespannt auf dein Foto zu diesem Kapitel. Schicke es mir, damit auch die anderen Kinder noch Ideen bekommen, was man aus alten Pappen und Kartons so alles so basteln kann!