18. Kapitel 

Frische Farbe gegen Trübsal 

 

Als Fred an diesem ersten Ferientag in die Küche kam, saß Papa wie gewohnt schon am Küchentisch. Anstelle der Zeitung hielt er jedoch einen Brief in der Hand und Fred sah ihm an, dass er über diese Post nicht sonderlich erfreut war. „Was ist los, Papa?“, fragte er interessiert. „Ach, das ist ein Brief von meinem Chef“, murmelte Papa. Fred kannte Papa zu gut, deshalb sah er, dass dieser Brief seinem Papa Kopfschmerzen bereitete. „Was schreibt er denn?“, ließ Fred nicht locker. „Er schreibt, dass ich Kurzarbeitergeld beantragen soll, weil er die Firma wegen der Krise weiter geschlossen halten muss und so kein Geld reinkommt. Er kann uns nicht mehr bezahlen.“ Fred schluckte. Er ahnte, was das heißen würde. Er hatte schon gehört, dass das Kurzarbeitergeld den Menschen vom Staat gegeben wurde, die wegen der Krise nicht mehr so viel wie vorher oder sogar gar nicht mehr zur Arbeit gehen konnten. Es war aber nicht das volle Gehalt, sondern nur noch ein Teil davon. Papa verdiente in der Möbelfirma so viel Geld, dass sie beiden damit ganz gut zurechtkamen. Aber wie würde das werden, wenn er jetzt weniger bekam? „Papa, können wir denn dann noch genug zu essen kaufen?“, fragte Fred beunruhigt. „Ja, Fred, dafür wird es schon noch reichen. Aber wenn diese Krise noch lange dauert, werden wir vielleicht ein bisschen sparsamer leben müssen, damit wir mit dem Geld auskommen“, beschwichtigte Papa Freds Befürchtungen. „Ich habe ja auch noch ein Sparbuch. Dann müssen wir vielleicht an das Ersparte gehen und in diesem Jahr auf einen Urlaub verzichten.“ Papa klopfte Fred kumpelhaft auf die Schulter: „Ach, wir beiden werden schon klarkommen“, meinte er nun aufmunternd. 

 

„Das ist ja ein toller Ferienanfang“, dachte Fred. Eigentlich hatte er sich schon eine halbe Ewigkeit auf den Urlaub mit Papa und einer befreundeten Familie gefreut. Sie hatten einiges gespart und wollten sich einen lang ersehnten Traum erfüllen: Einmal zum Skifahren nach Südtirol. Aber dieser Urlaub war nun ersatzlos gestrichen worden. Nicht nur, dass die Länder alle Grenzen für Touristen geschlossen hatten. Es wäre derzeit auch einfach verrückt gewesen, ein solches Risiko einzugehen. Das sah auch Fred ein und letztendlich brachte es nichts, sich da länger drüber aufzuregen. Nach dem Brief heute Morgen war Fred klar, dass dieser Urlaub wohl oder übel noch auf unbestimmte Zeit ein Traum bleiben würde. Vorerst war wohl gar nicht mehr an einen Urlaub zu denken. Wann wäre diese Krise denn nur endlich vorüber? Wie viele Träume würden denn noch platzen? Fred wurde langsam aber sicher ungeduldig. 

 

Papa sah Freds Enttäuschung und es tat ihm leid, dass er ihm die Sache mit dem Brief überhaupt gesagt hatte. Sein Junge sollte sich nicht solche Sorgen machen. Sie hatten im bisherigen Leben immer noch für alle Probleme eine Lösung gefunden und es gab wirklich Menschen, denen es in dieser Krise noch viel schlechter ging als ihnen. Sie würden die Zeit schon durchstehen. 

 

„Weißt du was, Fred?“ Fred wusste, wenn Papa so anfing, folgte immer eine gute Idee. Papa fuhr fort: „Wo wir jetzt schon nicht in den Urlaub fahren können, sparen wir ja sehr viel Geld. Lass uns doch in den Baumarkt fahren und Farbe kaufen. Damit können wir dann dein Zimmer frisch anstreichen. Das wollten wir doch schon lange machen.“ Fred sah seinen Papa begeistert an. „Oh ja! Danke Papa!“, rief er und fiel seinem Papa um den Hals. 

 

Und so machten sie es. Obwohl im Baumarkt ganz schön was los war, fanden sie alles, was sie zum Pinseln benötigten: eine Abdeckplane, Pinsel, eine Malerrolle, einen Rührstab und natürlich die Farben. 

 

In den kommenden Tagen hatte Fred keine Langeweile. Papa und er pinselten sein Zimmer frisch an und malten an eine Wand eine lustige Comic-Figur auf einer grünen Wiese, die gerade einen Ball in die Ecke pöhlte. Und Fred träumte von der Zeit, wenn er endlich wieder Fußball spielen konnte mit seinen Freunden. 

  

© Margarete Reinberger 

 

Idee: 

(Keine Sorge, liebe Eltern, die Kinder sollen durch dieses Kapitel nicht angeregt werden, gleich das ganze Haus zu renovieren.☺) 

 

Wenn du dir ein Bild an deine Zimmerwand malen dürftest, was wäre darauf abgebildet? Fertige eine Skizze an oder male einfach das Bild auf ein Blatt. 

 

Für die Großen unter euch, die sich schon mit Quadratmetern auskennen: Wenn man sein Zimmer frisch streichen möchte, muss man ausrechnen, wie viel Farbe man dafür braucht. Sicher haben das Fred und sein Papa auch gemacht, bevor sie in den Baumarkt gefahren sind

 

Vielleicht kannst du ja mal dein eigenes Zimmer mit einem Zollstock vermessen und zum Spaß eine Berechnung aufstellen. Tipp: Um die Quadratmeter einer Wand zu berechnen, musst du die Höhe und die Breite ausmessen und dann multiplizieren. Beispiel: Die Wand ist 3 m hoch und 5 m lang. Dann ist die Fläche 3m x 5m =15 qm. So kannst du jede Wand deines Zimmers berechnen und die Quadratmeter anschließend zusammen zählen. Noch genauer ist deine Berechnung natürlich, wenn du die Fläche von Fenstern und Türen abziehst. 

 

Wie immer kannst du mir zu diesem Kapitel auch ein gemaltes Bild schicken, z.B. Fred und sein Papa im Baumarkt oder die beiden, wie sie Freds Zimmer renovieren. Lass dir was einfallen.