16. Kapitel 

Fred will Comiczeichner werden 

 

Als Papa und Fred an diesem Morgen die Zeitung aufschlugen, war dort ein großer Artikel über den französischen Comiczeichner Albert Uderzo. Er war am Dienstag, den 24.März im Alter von 92 Jahren zuhause in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Frankreichs Hauptstadt Paris, verstorben. Das hatte jedoch nichts mit dem Corona-Virus zu tun. Er hatte ein schönes Leben gehabt und seine Zeit hier auf der Erde war nun einfach zu Ende. Das war der Lauf der Dinge. Neben dem Nachruf – so nennt man einen Bericht in der Zeitung über einen Verstorbenen – war eine große Abbildung von den Freunden Asterix und Obelix, dem Hund Idefix und dem furchtlosen Häuptling des Stammes der Gallier, Majestix. Papa erinnerte sich daran, wie er als Kind die Comic-Hefte geliebt hatte. Er kannte sich aus und wusste, dass Asterix deshalb so stark war, weil er als kleiner Junge einmal versehentlich in den Zaubertrank des ehrwürdigen Druiden Mirakulix gefallen war. Seitdem verfügte er über übermenschliche Kräfte, die ihn aus jedem Kampf als klaren Sieger hervorgehen ließen. „Dieser Obelix war meine Lieblingsfigur“, erzählte Papa. „Er hatte seine Kraft nie so ganz im Griff. Wenn er an eine Türe klopfte, fiel die gleich in sich zusammen. Obelix war auch ein totaler Vielfraß. Gebratene Wildschweine waren seine Leib- und Magenspeise. Im Grunde war er etwas dumm. Nur gemeinsam mit seinem schlauen Freund Asterix waren die beiden unschlagbar.“ Papa schwelgte in Erinnerungen. „Ich glaube ich habe irgendwo sogar noch ein altes Comic-Heft“, dachte Papa laut nach. „Es könnte in der Kiste mit den alten Büchern sein, die ich unten in den Kellerraum gebracht habe. Komm, wir schauen mal, ob wir das finden.“ Fred ließ sich von Papas erwachter Begeisterung anstecken. So liefen sie beide die Treppe hinunter in den Keller, in dem auch ihre Waschmaschine und eine Werkbank standen, an der Papa manchmal etwas werkelte, wenn er nicht viel zu erschöpft von der Arbeit nach Hause kam. Daneben stand der alte Schrank, in dem Papa den Karton verstaut hatte. Er öffnete ihn und zog die Kiste heraus. Zwischen den alten Büchern, die Papa einfach noch nicht wegwerfen konnte, weil sie ihn so sehr an seine Kindheit erinnerten, lag das Heft. Papa holte es hervor, als sei es eine unbezahlbare Kostbarkeit. „Da ist es, schau mal hier ist Obelix mit dem riesigen Hinkelstein. Er ist so stark, dass er ganze Felsblöcke tragen kann. Und da ist der kleine, weiße Hund Idefix, sein ständiger Begleiter.“ Papa lachte: „Schau mal, Fred. Der mutige Majestix, der aber ständig Angst davor hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Ja, sogar die mutigsten Menschen haben auch mal Angst, manchmal sogar ganz verrückte Ängste.“ In Papa stiegen all die Bilder auf. Wie oft hatte er sich als Kind mit einem Comic-Heft in sein Zimmer verzogen und war eingetaucht in die Welt des aufmüpfigen, gallischen Volkes. Wie oft hatte er in seinen Träumen Seite an Seite mit Asterix und Obelix eine Herausforderung gemeistert. In seiner Fantasie waren die beiden seine Freunde, die ihm in allen Lebenslagen zur Seite standen. 

 

Fred spürte, dass das was Großes für seinen Papa gewesen sein musste. „Ich möchte das Heft auch mal lesen“, sagte er nun. „Na dann nehmen wir es mit nach oben“, schlug Papa vor. 

 

Fred blätterte interessiert durch das Heft und war sofort in den Bann gezogen. Besonders witzig fand er, dass die Figuren alle so riesige Nasen hatten. Papa hatte in dem Zeitungsbericht gelesen, dass Albert Uderzo seine Zeichnung immer mit der Nase der Figur anfing. Auch die übergroßen Füße waren irgendwie typisch für seine Bilder. 

 

Fred war so fasziniert, dass er sich einen Bleistift und einen Block hervorkramte und auch einmal versuchen wollte, eine Figur mit übergroßer Nase und zu großen Füßen zu zeichnen. Das machte ihm derartig viel Spaß, dass er stundenlang verschiedenste Figuren ausprobierte, bis er vor sich einen ganzen Stapel mit selbst erfundenen Comicfiguren liegen hatte. Papa bewunderte das Werk. „Du bist ja ein richtiger Zeichenkünstler“, lobte er seinen Sohn. „Papa, vielleicht werde ich später auch mal ein Comiczeichner“, teilte Fred zufrieden mit. „Ja, vielleicht...“, murmelte Papa. „Und dann ist es gut, wenn du jetzt schon einmal anfängst dafür zu üben!“ 

 

© Margarete Reinberger 

 

Idee: 

Versuche es doch auch mal: Zeichne eine Figur mit übergroßer Nase oder besonders riesigen Ohren, Augen oder Füßen... Versuche ruhig mehrere Zeichnungen und wähle dann die aus, die du am gelungensten findest. Schicke sie mir, damit sie auch andere Kinder sehen können. Ich bin sehr gespannt auf deine schönste Comicfigur. 

 

Bei Asterix und Obelix enden die Namen der Figuren alle auf –ix. Vielleicht gibst du deiner Figur ja auch einen witzigen Namen mit –ix am Ende. Du kannst ihr natürlich auch einen ganz eigenen Namen geben. Sei erfinderisch. 

 

Eine Aufgabe für die Mathematiker unter euch: Albert Uderzo wurde 92 Jahre. Er wäre im April 93 Jahre alt geworden. Am 24.März 2020 ist er gestorben. In welchem Jahr wurde er wohl geboren? Schicke mir die Antwort!